UPDATE:

Hier die Stellungnahme der Bundeselternvertretung.

Hier könnt ihr eine Petition gegen das Autonomiepaket unterschreiben!

Liebe Eltern,

wie ihr sicherlich den Medien entnommen habt, wurde am 18. Oktober 2016 von Bildungsministerin Hammerschmid und Staatssekretär Mahrer im Ministerrat das Schul-Autonomiepaket präsentiert. Die Vertreter der betroffenen Institutionen und Gremien wurden und werden entgegen anderslautender Beteuerungen der Ministerin erst ab diesem Zeitpunkt zur Stellungnahme eingeladen.

Bei etwas genauerem Hinschauen entpuppen sich die angepriesenen Errungenschaften, welche nur spärlich an die Öffentlichkeit gelangen, jedoch oft als „alter Wein in neuen Schläuchen“, als realitätsnegierende Ideen, die in der Umsetzung nicht durchdacht wurden, als versteckte Sparmaßnahmen auf Kosten einer breiten Ausbildung sowie Verstärkung der politischen Einflussnahme auf die Schulen.

Wir wollen euch kurz über einige konkrete Aspekte zum geplanten Schulautonomie-Paket informieren, wobei wir festhalten wollen, dass wir sehr wohl der Meinung sind, dass Veränderungen im Schulwesen notwendig sind und somit Initiativen begrüßen, die zur Verbesserung der Ausbildung unserer Kinder sowie der Rahmenbedingungen an den Schulen beitragen.

Zusammenfassung von bis zu acht Schulen zu einem Cluster


Pro:                 thematische Schwerpunktbildungen einfacher; Koordination von pädagogischem und administrativem Personal

Contra:           Bei Clustern aus bis zu acht unterschiedlichen Schultypen mit unterschiedlichem Anforderungsprofilen für Administration und Lehre wird der Verwaltungsaufwand mehr ansteigen als die Einsparungen. Schulen stöhnen schon jetzt unter der Administration und es ist nicht ausreichend Personal für die Administration vorhanden. Wenn es zu keiner Aufstockung kommt, müssen Personaleinheiten aus dem Lehrbetrieb zur Clusterverwaltung abgezogen werden, worunter der Lehrbetrieb leiden wird.

Ist-Zustand   Die Zusammenlegung von kleinen Schulen mit einem gemeinsamen Direktor (Clusterleiter) ist auch jetzt schon möglich und wird auch gelebt. Der Punkt stellt also keine tolle Neuerung dar.

Wir sagen:    Macht Sinn in ländlichen Gemeinden mit sehr kleinen Schulen, ist aber auch jetzt schon möglich. Es ist nicht zielführend, unser Gymnasium (~1300 Schüler und ~130 Lehrpersonal) in ein Cluster (alle Schulen in Klosterneuburg; ev. gemeinsames Cluster mit Tulln) zu quetschen, was wegen der zugrundeliegenden Idee der zukünftigen Schulorganisation sowie der personellen Rahmenbedingungen jedoch nicht einmal sehr abwegig ist.

 

Ernennung des Clusterleiters durch das Ministerium


Pro:                 Eine autonom verantwortliche Person für Schul- und Personalentwicklung

Contra:           Direkte politische Einflussnahme auf die Schulen durch die Ernennung genehmer Clusterleiter, welche die politischen Vorgaben im Bildungsbereich widerspruchslos umsetzen. Zudem steht zu befürchten, dass der Schwerpunkt der Auswahl auf reinen Managementkriterien ohne Bezug zu pädagogischen Erfahrungen erfolgt, was das Verständnis für Anliegen von SchülerInnen, Eltern und pädagogischem Personal gegen Null gehen lässt.

Ist-Zustand   Das Berufungsverfahren von Direktoren ist objektiviert und eingespielt. Direktoren kennen den Schulbetrieb in der Regel auch aus Sicht der LehrerInnen und können organisatorische Maßnahmen auch nach pädagogischen Kriterien beurteilen.

Wir sagen:    Keine Auswahl von Clusterleitern nach politischen Gesichtspunkten und vorgeschobenen pseudoobjektiven Kriterien sowie nach reinen Managementkriterien.

 

Einschränkung der passenden Schulwahl


Pro:                 fixer Schulplatz in Wohnumgebung

Contra:           Durch die Zuweisung eines Platzes in der nächstgelegenen Mittelschule des Schulsprengels kommt es zu einer undifferenzierten Schlechterstellung von Schulen und Schülern und der Einführung einer allgemeinbildenden Pflicht-Mittelschule des Bundes. Schulwechsel auf eine für die Schülerinnen besser geeignete Schule laufen der Idee zuwider.

Ist-Zustand   Das Problem der Schulwahl für eine NMS / AHS / BHS ist primär in Wien gegeben, in den Bundesländern funktioniert die auf die Bedürfnisse der Kinder ausgelegte freie Schulwahl recht gut.

Wir sagen:    Eltern und Kinder wählen die Schule nach verschiedenen Gesichtspunkten, die auch wesentlich die Interessen und Möglichkeiten der Kinder berücksichtigen. Durch diese Maßnahme werden die individuellen Stärken und weiteren Ausbildungswünsche der Kinder ignoriert.

Verteilung von Ressourcen an die Schulen


Idee               Zusätzliches Personal für sonderpädagogische Maßnahmen wie Sprachförderung, Sozialkompetenz, Mediatoren usw.; zusätzliche finanzielle Mittel für „Schwerpunktschulen“

Effekt             Ohne Bereitstellung von zusätzlichen Mitteln können nur Personaleinheiten vom Lehrpersonal auf sonderpädagogisches Personal umgeschichtet werden, was auf Kosten der Ausbildung geht (größere Klassen; weniger Lehrangebot; weniger Kontakt mit LehrerInnen

Ist-Zustand   Es ist unbestritten, dass viele Schulen, speziell in Wien, zusätzliche Mittel für sonderpädagogische Maßnahmen benötigen. Dies darf jedoch nicht auf Kosten von Schulen gehen, in denen auch jetzt schon eine hochqualitative Ausbildung erfolgt. Da nicht vorgesehen ist, signifikant höhere Geldmittel zur Verfügung zu stellen, werden die bestehenden zukünftig nach sozio-ökonomischen Gesichtspunkten verteilt. So ist es zum Beispiel in Wien der Fall, dass Geldzuteilungen an Schulen auf Basis von Angaben der SchülerInnen beim PISA-Test über die Einkünfte der Eltern erfolgen. Je gehobener die mittlere soziale Stellung der Eltern an der Schule, desto weniger Geld wird der Schule zugeteilt.

Wir sagen:    Als ein zentrales Argument für das Autonomiepaket wird angeführt, das Österreichische Bildungssystem aus der Durchschnittsfalle herausführen und die Vergrößerung der Spitzengruppen erreichen zu wollen. Durch eine weitere Verringerung der zur Verfügung gestellten Mittel für jene Schulen, die bereits jetzt eine überdurchschnittliche Ausbildung umsetzen, wird aber genau das Gegenteil erreicht werden und die Verantwortung aus der politischen Ebene auf die dann ja autonomen Cluster geschoben werden.

 

Autonome Unterrichtsorganisation


Pro:                 Klassen- und Gruppengrößen sowie Teilungen (Eröffnungs- und Teilungszahlen) werden nicht mehr zentral vorgegeben; autonome Flexibilisierung der Unterrichtszeiten (Schulbeginn) und Länge der Schulstunden sind möglich.

Contra:           Es sind keine Klassenhöchstzahlen mehr definiert. Damit wird die Basis für Abziehen von Personaleinheiten aus dem Schülerkontakt als Reaktion auf Einsparmaßnahmen zementiert. Die Folge sind hohe Schülerzahlen in den Klassen und in Verbindung mit der Neuen Oberstufe das Zusammenziehen von mehreren Klassen / Jahrgängen zu Lehrsaaleinheiten mit Frontalunterricht (zB Geschichte, Wirtschaftskunde, …). Weiters fallen festgelegte Eröffnungs- und Teilungszahlen weg, die ein Grund für die Zuteilung von Personalressourcen sind und somit zukünftig bei mehr SchülerInnen mit denselben Personaleinheiten Auslangen gefunden werden muss.

Ist-Zustand   Sowohl die Schulbeginnzeiten als auch die Länge der Unterrichtseinheiten können auch jetzt schon im Schulgemeinschaftsausschuss beschlossen werden. Ein Verschieben des Schulbeginns auf zB. 9 Uhr zieht jedoch eine Unzahl von Konsequenzen nach sich, die außerhalb des Einflussbereichs der Schule liegen (Öffentlicher Verkehr für Anreise, Arbeitszeiten der Eltern, …) und deshalb für Schüler und Eltern eher problematisch sind.

Wir sagen:    Diese Punkte sind auch bereits jetzt in Absprache zwischen LehrerInnen Vertretern, Schülern und Eltern möglich. Zukünftig kann das jedoch der Clusterleiter ohne Rücksprache autonom festlegen, was wir auf Grund des immensen Eingriffs in die Organisation des Alltags (Schulbeginn) oder die Anonymisierung des Unterrichts durch große Lehr-Einheiten ablehnen.

 

Punkte, die wichtig für uns wären:


Investitionen in die Schulinfrastruktur     
Es wird von „Gratis- Tablets“ und „Gratis-Notebooks“ gesprochen, es fehlt jedoch an Geld für eine basale auch nur halbwegs zeitgemäße EDV Ausrüstung in den Klassen (Klassenlaptops; brauchbares WLAN; Beamer, Steckdosen). Geld für basale Grundbedürfnisse wie Sanierung von Sanitäranlagen, ausgemalte Klassenzimmer, Spinde, Kästchen in Klassen und andere einfache Maßnahmen für eine motivationsfördernde Lernumgebung, die nicht den Flair der 1970er ausstrahlt sollten erste Priorität haben. Bis zur (flächendeckenden) Umsetzung dieser grundlegenden Anforderungen kann in Ruhe über Änderungen in der Schulorganisation nachgedacht werden.

Pädagogisches Personal   
Wir alle wissen, dass es neben einer hohen Zahl an engagierten und „guten“ LehrerInnen auch Lehrpersonal gibt, das seine Stärken besser in anderen Berufen zum Ausdruck bringen könnte. Es muss dem Schulleiter bzw. einem Schulgremium möglich sein, diese Personen im Sinne einer Steigerung der Ausbildungsqualität auch wieder kündigen zu können. Eine Auswahl alleine wird die Lehr-Qualität nicht verbessern, wenn permanent ungeeignetes Personal mitgezogen werden muss, das vielleicht sogar im Kollegenkreis der motivierten LehrerInnen zu Missstimmungen führen.

Pflege und Weiterführung der Schulpartnerschaft          
Der Schulgemeinschaftsausschuss ist die einzige auch gesetzlich verankerte Institution, in der VertreterInnen von Schülern, Eltern und Lehrpersonal gemeinsam auf demokratischer Ebene die alle Stakeholder der Schule betreffende Dinge ansprechen, diskutieren und beschließen können. Diese Partnerschaft ist kein Machtfaktor, sondern die Möglichkeit andere Sichtweisen als die der pädagogischen Elemente in den Schulbetrieb einbringen zu können und ein ganz wichtiger Hygienefaktor zum Ausdiskutieren von Problemen mit gesetzlich verankerte Kompetenzen. Eine Veränderung dieser gut etablierten Institution und ein Beschneiden der Kompetenzen würde die speziell an unserer Schule sehr gut funktionierende Schulpartnerschaft zerstören.

 

Die Präsentation des Autonomiepakets erfolgte genau 5 Monate nach Angelobung der neuen Ministerin. Es ist nicht anzunehmen, dass es in diesen fünf Monaten ausgearbeitet wurde. Wenn doch, so scheint die Zeit für ein für die Zukunft unserer Kinder so wesentliches Paket unverantwortlich knapp bemessen. Wenn das Paket jedoch zum Zeitpunkt des Amtsantrittes bereits fertig war, so wird die neue Ministerin als Transportvehikel für den neuerlichen Umsetzungsversuch eines bereits in der Schublade liegenden Entwurfs mit fragwürdigen Auswirkungen missbraucht.

Die Ziele des Autonomiepakets sind absolut richtig und unterstützenswert. Dies wird auch von keinem der Betroffenen bestritten. Es wäre jedoch sinnvoll und zielführend, alle Beteiligten vorab ins Boot zu holen, um gemeinsam Wege und auch gangbare Lösungen zu erarbeiten und nicht nur theoretisch abgeleitete Managementstrategien vorzugeben, die keinen Bezug zur Praxis aufweisen.

Basierend auf der Neuen Oberstufe (schlagend für unsere SchülerInnen ab der derzeitigen zweiten Klassen) und dem Schulautonomiepaket sei der folgende Blick in die Zukunft unserer Schule gemacht: Der Robert-Koch Saal wird in einen Hörsaal umgebaut, in dem alle 120 SchülerInnen eines Jahrgangs zB. gemeinsam Geschichts- Biologie oder Wirtschaftskundeunterricht haben, weil dort (lt. Ministerin) auch Frontalunterricht betrieben werden kann. Oder mehrere Jahrgänge haben dort gemeinsam ein Unterrichtsfach, dass nur mehr alle 2 Jahre stattfindet. Betreuungsintensive Fächer und Freifächer werden nicht mehr angeboten, weil keine Personaleinheiten mehr zur Verfügung stehen. Ein persönliches, menschliches und inhaltliches Eingehen auf die Kinder als Individuum ist damit nicht mehr möglich. Wer auf der Strecke bleibt hat Pech gehabt. Leider ist die Lehrerin bei Problemen nicht für die Eltern erreichbar, weil sie den Rest des Tages an einer anderen Schule des Clusters unterrichtet und die Unterlagen zu den Schülern an einer dritten Schule hat, weil dort gerade ein Schreibtischplatz verfügbar ist.

Für uns stellt das Autonomiepaket in der derzeitigen Form eine über weite Bereiche in der Praxis nicht sinnvoll umsetzbare politisch motivierte Verkaufsinitiative mit Verschlechterung der schulischen Rahmenbedingungen dar. Die Maßnahmen hätten auch auf unser Gymnasium negative Auswirkungen und erscheinen uns nicht zweckmäßig, um das Bildungssystem in Österreich zu verbessern. Zurzeit liegen zwar einige nett klingende Ansätze vor, die per se vernünftig scheinen, deren Problematik jedoch in der Umsetzung und den zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Mitteln liegt, sodass wir beim jetzigen Diskussionsstand nicht von einer Verbesserung des Schulsystems ausgehen.

Der Vorstand des Elternvereins wird euch weiterhin informieren und ggfs. auch um eure Mithilfe bei Protestmaßnahmen ersuchen. Solltet ihr weitergehende Informationen zum Autonomiepaket haben, bitten wir euch, sie an uns weiterzuleiten. Keine Kommentare